FRANZ J. GYOLCS
 

 

 

MISSTÖNE UM MOZART-ABEND (ORF Burgenland, 6.12.2006)

Mozart-Genitalien auf Bildern - abgehängt
Im Vorfeld eines Musikabends im Kulturzentrum Eisenstadt kam es Dienstagabend zu Misstönen. Der Geschäftsführer der Kulturzentren ließ Bilder abhängen, auf denen Mozarts Genitalien zu sehen sind. Der Künstler zeigte sich empört.

Hommage an Mozart
Anlass des Kulturevents war der 215. Todestag von Wolfgang Amadeus Mozart. Auf dem Programm stand eine musikalische Hommage an den Komponisten von Gerhard Krammer.
Außerdem war der Künstler Franz Gyolcs eingeladen worden, im Kulturzentrum Eisenstadt seinen Mozart-Zyklus "Requiem" zu zeigen, den er bereits in Salzburg ausgestellt hat.

"Nicht nur Handerl gehalten"
Die sechs jeweils etwa zwei Meter hohen Werke aus dem zehn Arbeiten umfassenden Zyklus "Requiem - Die Vergänglichkeit der Männlichkeit" sollten im Rahmen der Aufführung des multimedialen Stückes "spiel!Mozart" des burgenländischen Komponisten Gerhard Krammer im Foyer im zweiten Stock des Kulturzentrums gezeigt werden.

Sie waren auch bereits in der NEUHAUSER KUNSTMÜHLE in Salzburg zu sehen, so Gyolcs. Bei den Werken gehe es nicht nur um Mozart als Genie, sondern auch darum, "dass er sein Leben gelebt hat als Künstler" und dabei "nicht nur Handerl gehalten hat".

Misstöne
Doch die Bilder sorgten für Misstöne vor dem Mozart-Abend in Eisenstadt.

Bilder aus Foyer abgehängt
Denn der Geschäftsführer der Kulturzentren, Josef Wiedenhofer, stieß sich daran, dass auf den Bildern Mozarts Genitalien dargestellt sind. Wiedenhofer ließ die Bilder wegen Bedenken im Hinblick auf den Jugendschutz vor der Aufführung abhängen und in der Stadtbücherei im Erdgeschoß wieder aufhängen.

Künstler nicht einverstanden
Franz Gyolcs war mit dieser Vorgangsweise nicht einverstanden. Er nahm seine Bilder wieder mit und verzichtete auf die Ausstellung.

"Zensur sondergleichen"
Er sähe die Kritik ein, würde es sich um "obszöne Darstellungen" handeln. Die Bilder, auf denen auch Mozarts Genitalien zu sehen sind, seien aber jedenfalls "keine vulgären Arbeiten", so Gyolcs.
Die Begründung, dass das Umhängen - für ihn "eine Zensur sondergleichen" - aus Jugendschutzgründen erfolgt sei, könne er "nicht wirklich nachvollziehen". In der Stadtbücherei habe er die Werke nicht ausstellen wollen: "Die Situation war unzumutbar für Bilder", meinte der Künstler: "Wir haben wieder Metternich ausgegraben, so kommt mir das vor."

Wiedenhofer wies Vorwurf zurück
Kulturzentren-Geschäftsführer Josef Wiedenhofer wiesden Vorwurf der Zensur als "lächerlich" zurück. Als er Dienstag ins Büro gekommen sei, habe er die Bilder gesehen, die für ihn als Veranstalter im Hinblick darauf, dass bei der Vorstellung auch Kinder mitwirkten, an dieser Stelle nicht akzeptabel seien, so Wiedenhofer.

"Nicht, wo Kinder vorbeigehen"
"Ich stehe dazu, dass die Ausstellung nicht gezeigt werden kann an einem Ort, wo Kinder vorbei gehen", sagte der Geschäftsführer.
Deshalb habe man nach einer Möglichkeit gesucht, die Werke an einer anderen Stelle im Haus zu zeigen. Bei der Bibliothek sei auch ein Schild angebracht worden, wo die Bilder als Sonderausstellung angekündigt wurden.

Gut besucht
"Es zensiert keiner", meinte auch Krammer zur Kritik des Künstlers. Man habe juristische Probleme vermeiden und durch die Ausstellung im Erdgeschoß des Hauses gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit der Kunst ermöglichen wollen. In der Bibliothek hätte zudem die Möglichkeit bestanden, den gesamten Zyklus von zehn Bildern zu zeigen.

An der Mozart-Aufführung am Abend wirkten unter der Leitung von Krammer an die 100 Personen mit, darunter das Orchester des Joseph Haydn-Konservatoriums, die Stadtchöre von Oberwart und Güssing sowie Sänger-Solisten, Darsteller und Tänzer.

Reaktion:
Der Kultursprecher der Grünen, Josko Vlasich, ortete Prüderie und Zensur im Burgenland und forderte Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) auf, die Freiheit der Kunst zu gewährleisten.

http://burgenland.orf.at/stories/155825/ v. 6.12.2006

| Home | Ausstellung | Events | Galerie | Kalender | Künstler | Mühle | Werkstatt | Vergangenes |